Das Glück mit Ganesha

Mit würzigen Gerichten holt Ram Steiner die Exotik Indiens an die Isar

"Grüß Gott, ich bin der Ram Steiner!" Zugegeben, man schaut schon ein bisschen verdutzt, wenn der Mann sich vorstellt. Ram ist Inder, bewritete einen Scheich in Bahrain, heiratete eine Österreicherin und servierte anschließend für viele Promies in der Alpenrepublik. Seit acht Jahren betreibt er eines der besten indischen Restaurants in München. Rams Lebensgeschichte ist mindestens so bunt und schillernd wie die Statten Indiens.

Aber fangen wir doch einmal ganz von vorne an. Ram Steiner heißt eigentlich Ram Mahey und stammt aus der Stadt Apra im nordischen Bundesstaat Punjab. In der rund 40 000 Einwohner großen Stadt, für indische Verhältnisse eher mit dörflichem Charakter, hielt es Ram allerdings nicht lange: Mit elf setzte er sich in den Zug und führ allein nach Neu-Delhi, wo zahlreiche Onkels und Cousins der Familie leben. Ein paar Jahre ging er noch zur Schule, dann half Ram bei seinem Schwager in dessen Hydraulik-Firma mit. "Wir haben in ganz Indien Maschinen ausgeliefert, und ich bin immer mitgefahren", erzählt der 50-Jährige. Es ging nach Bombay und Hyderabad, mal mit dem Zug mal mit dem Lkw. "Ich fand's toll, so viel unterwegs zu sein."

Doch bald lockte das Ausland: Wiederum über seine Familie, diesmal über einen Bruder, Gin der damals 18-Jährige Ram nach Bahrain am Persischen Gold. Ein Scheich, heute ranghohes Regierungsmitglied, suchte noch einen Mitarbeiter für seinen Partyservice. Rams Bruder arbeitet dort bereits. "Das war Klasse", erinnert sich Ram. Allein in der Küche des Scheichs arbeiten 50 Münner und Frauen, eine riesige Glasfront gewährte freien Blick aufs Meer. Des Weiteren gab's im aus einen großen Swimmingpool und eine Privatdisco - für Ram ungewohnter Luxus. "Was ich dort in punkto Service gelernt habe, war prägend für mein ganzes Leben." Vier Jahre war Ram am Gold, in dieser Zeit arbeitete er auch für ein Gold-Hotel mit internationalem Flair.

Dann ging er zurück nach Delhi - aber das war die falsche Entscheidung. "Ich konnte mich dort nicht mehr einfinden", sagt der Inder und streckte seine Fühler nach Europa aus: 1984 wurde er in Salzbug an der Fachschule für Gastronomie genommen und absolvierte eine zweijährige Ausbildung. "Auch wenn ich Bayern sehr gerne mag: Die beste Ausbildung rund um den Gast gibt es in Österreich", gibt Ram unumwunden zu. Er lernte seine spätere Frau kennen, heiratete und nahm ihren Namen an: Aus Ram Mahey wurde Ram Steiner.

 

Sohn Manuel kam zur Welt, und Ram begann einen Karriere im Service-Bereich in österreichischen Spitzenhotels: Schriftsteller Peter Handke kennt er persönlich ("Ein sehr netter, sehr ruhiger Mensch"), mit Schauspieler Klaus-Maria Brandauer wurde so manche Nacht durchdiskutiert. "Brandauer hat mich mal in seine Jedermann-Premiere eingeladen, darüber habe ich mich riesig gefreut", erzählt RAM. Auch Sean Connery und Margaret Thatcher hat der ruhige, Höfliche und unauffällige Inder schon persönlich getroffen.

Während beruflich alles bestens lief, ging privat Rams Ehe in die Brüche. Ram wollte zu neuen Ufern aufbrechen und kam 1998 nach München, wo er jetzt das "Ganesha" führt. "Ganesha" heißt auch der hinduistische Gott mit Elefantenkopf, der in Indien als Glücksbringer gilt. "Vor einer Hochzeit, Schulanfang oder vor dem Hauskauf wird zu ihm gebetet", erzählt Ram.

 

In seinem Restaurant hat er sich auf nordindische Gerichte spezialisiert: Zwei Köche, einer von ihnen nur zuständig für die typischen Tandoori-Gerichte aus einem Lehmofen, sorgen für Begeisterung bei den Gästen. Mittlerweile ist Bayern für Ram zu einer zweiten Heimat geworden. Der 50-Jährige hat noch einmal geheiratet, diesmal eine Inderin, und tollt nachmittags am liebsten mit seinen Söhnen Viraj (3) und Anish (2) herum.

 

Seine Heimatstadt Apra besucht Ram aber immer noch regelmäßig, meistens im Winter. "Unsere große Familie vermisse ich am meisten." Im Kreise seiner Lieben geht Ram übrigens auch seinem liebsten Hobby nach: Er schaut sich diese wunderbar kitschigen Bollywood-Filme an, von denen er, wie er sagt, "ein riesiger Fan" ist. und das macht erst in der Familie so richtig Spaß. "Dann kann man so schön mitsingen."

Rams Urlaubstipps für seine Heimat

Edel wohnen in Delhi:
Ram liebt es im Urlaub klassisch-edel: erstklassiger Service, erstklassige Zimmer. Wer nach Delhi kommt, soll "sich fühlen wie ein Maharadscha", sagt Ram. Wer dieses Flair nachempfinden will, meint er, muss sich ein Zimmer im altehrwürdigen Luxus-Hotel "Imperial" mieten. Ein Vorgeschmack im Internet: www.theimperialindia.com .

Sightseeing in Delhi:
Auch wenn's für Touristen der größte Spaß ist: "Mit der Rikscha sollte man auf keinen Fall durch Delhi fahren", mahnt Ram. "Der Smog und die Hitze machen das zu keinem Vergnügen." Stattdessen lieber ein klimatisiertes Taxi mieten (Preise unbedingt vorher aushandeln!). Ram rät in Delhi zu einem Besuch des Lakshmi Narayan Tempels (auch unter dem Namen Birma Mandir zu finden) sowie zu einem Bummel durch die vielen winzigen Straßenzüge in Old Delhi.

Souvenirs kaufen:
Ram schaut sich nach Souvenirs für seine deutschen Freunde am liebsten selbst im Viertel von Old Delhi um oder auf dem Connaught Place. "Man muss hier aber ordentlich handeln, sonst wird man übers Ohr gehauen", gibt der Inder unumwunden zu.

Goldener Tempel in Amritsar:
Keinesfalls versäumen sollte man als Tourist laut Ram den "Hari Mandir" ("Goldener Tempel") in der Stadt Amritsar in der Provinz Punjab. "Sänger rezitieren dort den ganzen Tag über aus einem heiligen Buch, das ist sehr schön anzuhören", erzählt er. Gegen eine Spende verteilen die Gläubigen geweihtes Essen.

Dorf Khat Karkalan:
Das Dorf Hat Karkalan nahe Amritsar ist jedes Jahr im März fest in der Hand von Bollywood-Schauspielern, denn beim Punjabi-Folk-Musikfestival trifft sich dort alles, was Rang und Namen hat. Der Termin lässt sich am besten beim Tourist-Office von Amritsar erfragen. "Die Atmosphäre ist einmalig."

 

Picknick im Park:
Für Ram unerlässlich sind Picknicks im Park, von denen es in Paar unzählige gibt. "Dazu gehören Samosas (gefüllte Blätterteigtaschen) und Pakora", sagt der leidenschaftliche Gastronom. "Am liebsten machen wirk Picknicks an Sonntagen."